
Stahl, Geschichte und Gemeinschaft
Zum Jahresende wird es ruhiger in der Werkstatt. Weniger Pakete, weniger E-Mails – dafür mehr Zeit, ein Rad einfach anzuschauen.
Das Foto zeigt ein Ordonnanzrad von 1907, Rahmennummer 616. Über hundert Jahre alt. Und doch ist es da, unbeirrt.
Mich fasziniert an diesen frühen Rädern nicht das Spektakuläre, sondern das Selbstverständliche: Sie wurden gebaut, um zu funktionieren. Ohne Marketing, ohne Storytelling, ohne Haltbarkeitsdatum. Dass sie heute noch da sind, ist kein Zufall, sondern Konsequenz guter Konstruktion – und der Menschen, die sie genutzt, gepflegt und weitergegeben haben.
Dieses Jahr war wieder geprägt von Begegnungen: von Sammlern, Fahrern, Schraubern, Neugierigen. Menschen, die nicht fragen, was es kostet, sondern was es war. Menschen, die Ersatzteile suchen, nicht um etwas zu besitzen, sondern um etwas am Leben zu halten. Diese Community ist klein, aber sie denkt langfristig – und das ist heute alles andere als selbstverständlich.
Für mich bleibt das Ordonnanzrad ein Hobby, ja. Aber auch ein Ruhepol. Ein Gegenentwurf zur schnellen Welt. Wer sich mit einem Rad von 1906 beschäftigt, lernt Geduld. Und Respekt. Vor Material, vor Geschichte, vor Handwerk.
Ich danke allen, die dieses Jahr Teil davon waren – mit Fragen, Bestellungen, Besuchen oder einfach ehrlichem Interesse.
Auf ein neues Jahr mit öligen Händen, klaren Gedanken und Rädern, die mehr erzählen als jedes Datenblatt.
Guten Jahresausklang
Philippe Schranz
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