Stempelungen Torpedo-Nabe

Die Torpedo-Nabe und ihre Stempelungen

Einleitung

Jeder kennt sie, und doch hat sie einige kleinere und grössere Geheimnisse – die Torpedo-Freilaufnabe für Fahrräder.

Der folgende Überblick soll ein Schritt zur Aufhellung mancher dieser Unklarheiten sein. Er befasst sich mit den verschiedenen Stempelungen der Nabenhülse und des Bremshebels der Torpedonabe in der Zeit von 1903 bis 1950.

Neben der Zuordnung der zeitgerechten Nabe zum Fahrrad gilt dies speziell für die Bremshebel. Denn so mancher Torpedonabe ist im Laufe ihres anstrengenden Lebens der originale Bremshebel abhandengekommen – sei es durch die Montage eines Hebelschlosses oder sonst wie. In diesem Fall ist hilfreich zu wissen, welche Nabenbeschriftungen zu welchen Hebeln gehören – die Qualität von Restaurierungen zeigt sich ja bekanntermassen erst im Detail …

Aber auch für den „Laien“ kann die Stempelung interessant werden. Denn es ist immer noch vielfach nur für „Eingeweihte“ bekannt, dass sich das Baujahr eines Fahrrads – zumindest soweit die Torpedo-Nabe noch vorhanden ist – auch über die Naben bzw. deren Stempelung ermitteln lässt. Die grosse Menge der zwischen 1903 und 1950 hergestellten „Torpedos“ bedingt, dass diese Darstellung keinen Anspruch auf Vollzähligkeit erheben kann. Immerhin verliessen in diesem Zeitraum nach Angaben von F&S ca. 60’000’000 Torpedo-Naben die Werkshallen.

Die vier Modell-Typen

Die Torpedo-Rücktrittnabe lässt sich in ihrer Entwicklung in vier verschiedene Typen unterteilen. Nach dem jeweiligen Jahr des Serienstarts benannt, sind dies einerseits die Typen (19)03 – teilweise auch 04 genannt -, (19)05 und (19)07 und andererseits das Nachfolgemodell (19)09, welches verschiedentlich auch als Modell 1910 und später zudem als Modell 1933 bezeichnet wurde.

Alle Nabenmodelle haben gemeinsam, dass sich sowohl auf ihrer Hülse, als auch auf dem Bremshebel (und den inneren Bauteilen) Stempelungen befinden. Anhand dieser Stempel lassen sich interessante Rückschlüsse ziehen.

Während die äusseren Stempelungen nachfolgend detailliert beschrieben werden, soll hinsichtlich der inneren Stempelungen der Hinweis genügen, dass fast alle Bauteile der jeweiligen Modelle mit dem Modellnummer gestempelt wurden – z.B. „09“. Später kamen noch das Kürzel ,,F&S“ und das Baujahr in Form der letzten beiden Jahreszahlen hinzu (z.B. „24“ für 1924). Bezüglich dieser Stempelungen sollte stets bedacht werden, dass sie nur das Alter des jeweiligen Einzelteils bezeichnen und zur Altersbestimmung nur verwendbar sind, falls es sich noch um ein Originalteil handelt. Die Stempelung der Naben des Typs 03 konnte trotz aller Nachforschungen nicht exakt bestimmt werden. Es erscheint aber fraglich, ob es zwischen den Stempelungen der Modelle 03 und 05 einen deutlichen Unterschied gab, so dass wohl von einer sehr ähnlichen Gestaltung ausgegangen werden kann.

Nabenkörper 05 und 07

Der Nabenkörper des Typs 05 unterscheidet sich in seiner Beschriftung gegenüber dem Nachfolgemodell 07 nur in Feinheiten. Beide sind mit dem damaligen Zeichen von F&S versehen – ein naturalistisch dargestellter Adler, der flügelschlagend auf einem Baustumpf oder einem Felsplateau sitzt und eine Kugel in seinen Klauen hält. Darüber hinaus sind beide Hülsen mit „F&S“, dem charakteristischen Torpedo-Schriftzug und dem Hinweis „System Sachs“ beschriftet. Unterschiede bestehen lediglich hinsichtlich der Grösse des Torpedo Schriftzuges und des Kürzels „F&S“. Bei dem Modell 05 ist der Torpedo Schrift-zug auffallend grösser und breiter als bei Modell 07, während hingegen das Kürzel „F&S“ bei Typ 05 deutlich kleiner (und ohne Punkte …) als bei der neueren Nabe ist.

Hebel 1905 und 1907

Im Gegensatz zu den Nabenkörpern unterscheiden sich die Hebel der Typen 05 und 07 deutlicher. Nach den Abbildungen in mehreren Listen – z.B. Preisliste F&S 1933; Grosshandelskatalog Wedler 1927 – gehört zu Modell 05 grundsätzlich der Hebel mit der Aufschrift ohne die genaue Angabe des Deutschen Reichs-Patents, mit dem der Nabenmechanismus urheberrechtlich geschützt war. Allerdings sind wohl auch Naben mit der Patentnummer auf dem Hebel ausgeliefert worden …

Der Bremshebel für das Model 07 weisst jedenfalls die Patentnummer auf. Auch nach der Einführung des Modells 09 blieb das Modell 07 noch einige Jahre im Programm – als schwere Ausführung für Transporträder. Ob sich Aussehen und Stempelung in dieser Zeit änderten, ist bisher nicht bekannt.

Nabe Modell 1909

Während sich die ersten Ausführungen des Modells 09, soweit man dies anhand der einzigen vorliegenden Abbildung aus dem Händlerkatalog von Ettrich 1912/13 erkennen kann, hinsichtlich des Aussehens und der Stempelung der Nabenhülse von ihren Vorgängern nicht deutlich unterschied, war dies bei der zweiten Ausführung schon anders. Die Hülse dieser Version, die ca. ab 1910 produziert wurde, war kleiner, als die der Vorgänger gehalten. Zudem waren zu der übernommenen Stempelung zwei Neuerungen getreten.

Einerseits war der Hinweis, dass die Nabe patentrechtlich geschützt war, vom Hebel auf die Hülse übertragen worden. Andererseits begann F&S bereits 1910 (Angabe F&S) damit, zusätzlich zur sonstigen Stempelung eine sog. Sonderstempelung einzuprägen, die die Zuverlässigkeit der Nabe werbewirksam dokumentieren sollte.

Sonderstempel 1910 Wien-Berlin (bis 1924)

Der erste Sonderstempel des Jahres 1910 lautete „Wien-Berlin“ und bezog sich auf die Radfernfahrt Wien-Berlin, deren Distanz von 580 km 1908 der Schauplatz des öffentlichen „Duells“ der Torpedonaben mit den starren Naben gewesen war. Die Sieger dieser Fernfahrt hiessen Hans Ludwig und Torpedo, die allerdings auf dem zweiten Platz noch Paul Oberstein mit seiner starren Nabe dulden mussten. Der Stempel Wien-Berlin wurde nach Angaben von F&S bis 1916 verwendet. Allerdings lässt er sich auch noch in den Folgejahren bis einschliesslich 1924 nachweisen, wobei die Nabenkörper zumindest ab 1921 eine Neuerung aufweisen. Sie sind mit den beiden letzten Ziffern des Produktionsjahres versehen – zuerst mittig unterhalb des Adlers und 1923/24 neben dem Kürzel F&S, wobei 1924 noch zusätzlich die Baureihe eingeprägt wurde. Wahrscheinlich führte man die Jahresstempelung 1920 ein.

In diesem Zusammenhang muss darauf hingewiesen werden, dass es Nabenhülsen gibt, die vom Aussehen den ersten „Wien-Berlin“-Naben entsprechen (die Hülse ist an der Hebelseite zum Hebel hin leicht abfallend abgedreht) und über fast keine Stempelung verfügen.

Lediglich der eingeschlagene Hinweis „D.R.P“ deutet darauf hin, dass es sich um Erzeugnisse der Fichtel & Sachs-Werke handeln dürfte. Wahrscheinlich waren dies Naben, die F&S für andere Hersteller gefertigt hat, deren Name dann nur auf dem Bremshebel erschien (z.B. Brennabor etc.) Aber das ist ein anderes interessantes Geheimnis der Torpedonabe.

Hebel 1909 bis 1928

Der im Vergleich zu den Vorläufern verkleinerte Bremshebel des Modells 09 veränderte in den Jahren von 1909 bis 1928 sein Aussehen kaum. Nur zwischen der ersten und zweiten Ausführung des Modell 09 kam es zu einer grösseren Änderung. Während der erste verkleinerte Hebel noch mit einer Ansenkung im Bereich für die Achsbohrung aufwartete und sich damit deutlich an seine Vorgänger anlehnte, fiel diese Ansenkung mit der zweiten Ausführung weg.

Ansonsten tragen alle Hebel neben dem bereits bekannten erhabenen Torpedoschriftzug, der im Laufe der Jahre durch leichte Veränderungen immer mehr vereinfacht wurde, im Anschluss daran das Firmenkürzel „F&S“. Das Kürzel wurde teilweise noch jeweils mit Punkten versehen, wobei davon ausgegangen werden kann, dass die „gepunkteten“ Versionen die älteren sind.

Schliesslich weisen die Hebel am oberen Rand – anscheinend für ungeübte Mechaniker – noch den Eindruck „oben“ auf.

Sonderstempel ab 1925 Zürich-Berlin (bis 1928)

Der Sieg von Richard Huschke auf Torpedo bei der Fernfahrt Zürich-Berlin (1021 km) im Jahre 1924 gab F&S die Möglichkeit, einen neuen werbewirksam Sonderstempel aufzulegen. Dieser Stempel „Zürich-Berlin“ lässt sich von 1925 bis 1928 nachweisen – er löste den „Dauerbrenner“ Wien-Berlin ab. Den mit diesem Stempel versehenen Nabenkörpern fehlt die noch 1924 verwandte Bezeichnung der Baureihe, wogegen an der Prägung mit der Jahreszahl – diesmal unterhalb des Torpedo-Schriftzugs – festgehalten wurde. Den Jahreszahlen auf diesen Naben ist ab 1927 mit einem Bindestrich jeweils eine weitere Zahl nachgestellt, über deren Bedeutung bisher nur gerätselt werden kann. Wahrscheinlich handelt es sich um die Bezeichnung der jeweiligen Materialcharge, die für die Herstellung der Nabe verwendet wurden.

1925_Zuerich_Berlin

Sonderstempel im Jahr 1928

Der Gewinn der Strassenweltmeisterschaften 1927 (Alfredo Binda), 1928 und 1929 (Georges Rousse) auf Torpedo lieferte den willkommenen Anlass für den Einsatz von drei Weltmeisterschafts-Sonderstempelungen in Folge. Den Anfang machte die Sonderstempelung „Weltmeister“, die anstelle von „Zürich-Berlin“ trat und sich 1928 nachweisen lässt. Ansonsten behielt man die bisherige Prägung bei.  

Sonderstempelung „Weltmeister“

Im Laufe des Jahres 1928 änderten sich dann sowohl die Stempelung der Nabenhülse als auch die des Hebels.

Sonderstempel im Jahr 1929

Im Jahr darauf änderte sich die Stempelung dann grundlegend. Das Jahr 1929 bescherte einerseits wegen des erneuten Weltmeisterschaftsgewinns von 1928 den neuen Sonderstempel „Sieger 1927 u 28 Weltmeisterschaft“ und andererseits einen neuen Adler als Firmenzeichen. Dieser neue Adler, der bereits doppelt mit einem Kreis eingerahmt ist, bedeutet die Abkehr von der naturalistischen Darstellung zur stilisierten Abbildung hin. 

Sonderstempelung „Sieger 1927 u 28 Weltmeisterschaft“

Das Kürzel „F&S“ fällt den Veränderungen diesen Jahres ebenso zum Opfer – es wird ersatzlos gestrichen. Als weitere Neuerung erscheinen nun links unterhalb des Adlers das Baujahr und rechts eine einzelne Zahl, die wohl wiederum die Materialcharge bezeichnet, aus der die Hülse hergestellt wurde.


Sonderstempel im Jahr 1930

Die dritte Sonderstempelung in diesem Zusammenhang gab F&S dann 1930 aus Anlass der gewonnenen Weltmeisterschaft von 1929 heraus. Sie lautet „Weltmeisterschaft 1927, 28 u 29“. Der Adler ist bei diesem Stempel bereits wieder etwas mehr vereinfacht – der zweite Flügel ist schon nicht mehr so gut zu sehen. Rechts unterhalb des Adlers findet sich bei diesen Naben erstmalig ein einzelner Grossbuchstabe, der nach Angaben von F&S zur Bestimmung der Materialcharge diente.

Sonderstempelung „Weltmeisterschaft 1927, 28 u 29“.

Alle drei Weltmeisterschaftsnaben haben gemeinsam, dass die Bremshebel anstelle des Kürzels „F&S“ mit einem Kreis versehen sind, in den kreisrund „Weltmeister“ eingeprägt wurde. Zudem fällt auf, dass die Weltmeisterhebel häufig als Klauenhebel ausgebildet sind, d.h., dass man sie ohne eine Befestigungsschraube am Rahmen anlegen kann.

Diese Klauenhebel scheinen auch die ersten zu sein, die bei der Torpedonabe überhaupt verwendet worden sind – ältere Stempelungen sind zumindest bisher nicht bekannt. Dass neben den Weltmeisternaben auch noch Naben ohne Sonderstempelung produziert wurden, erscheint zumindest ab 1929 wahrscheinlich, da ein Bremshebel vorliegt, der anstelle des Weltmeistereindrucks den eingerahmten Adler trägt, der sonst für die Hülsen des Jahres charakteristisch ist. Dieser Hebel ist übrigens der erste, auf dem ein Adler abgebildet ist.

Naben ab 1930

1930 erschienen dann jedenfalls Naben ohne Sonderstempelung. Im Gegensatz zur Weltmeisternabe gleichen Jahrgangs ist hier nur auf das „DRP“ hinzuweisen, das erstmals von zwei Dreiecken eingerahmt wird. Zudem wurde in den zugehörigen Bremshebel wiederum der gleiche rund eingerahmte Adler eingestanzt, der auch auf der Hülse zu sehen ist.

Naben ab 1932

Mit diesem Adler war man aber immer noch nicht zufrieden. Schon 1932 wurde der Adler wiederum weiter abstrahiert und erhielt so auf der Hülse und dem Hebel ein neues Aussehen, das dann allerdings grundsätzlich bis in die 1960er Jahre allen Modernisierungsversuche widerstand. Ansonsten beliess man es bei der vorhandenen Stempelung.

Interessanterweise legte F&S in den Jahren von 1930 bis 1933 keine weiteren Weltmeistersonderstempelungen mehr auf, obwohl auch in den Jahren 1930, 1931 und 1932 die Weltmeisterschaften auf Torpedo gewonnen wurden. Scheinbar war das Siegen schon zur Gewohnheit geworden.

Im weiteren Verlauf der 1930er Jahre war der Siegeszug der Verchromung nicht mehr zu stoppen, so dass die bis dahin übliche Vernickelung der Naben immer mehr zurückgedrängt wurde.

Auswirkungen auf die Stempelung hatte dies nicht, es blieb alles beim Alten.

Ab 1940 sah F&S dann kriegsbedingt „schwarz“. Um kriegswichtige Rohstoffe für die Rüstung zu sparen, stellte man die Produktion grösstenteils um. Die Naben wurden nun vielfach schwarz lackiert ausgeliefert. Die Beschriftung blieb erst einmal unverändert.

Sonderstempel 50 Millionen ab 1941 (bis 1945)

Die nächste einschneidende Änderung der Stempelung war durch den durchschlagenden Erfolg des „Torpedos“ bedingt. Die Zeit der Jubiläumsstempelungen begann. Auf den Nabenhülsen, die den stolzen Stempel oberhalb der bisherigen Stempelung tragen, ist zu lesen: „Jubiläum 50 Millionen 1904-1940“. Diese Beschriftung lässt sich bisher von 1941 bis 1943 und 1945 nachweisen.  

„Jubiläum 50 Millionen 1904-1940“

Sonderstempel 60 Millionen ab 1946 (bis 1947)

Aber die Stempelung war noch steigerungsfähig. Schon 1946 und auch 1947 warb der Sonderstempel an gleicher Stelle und nur geringfügig abgeändert für das nächste Jubiläum: „Jubiläum 60 Millionen 1904-1945“. in nur fünf Jahren hatte die kriegerische Nachfrage nach der Narbe mit dem militärischen Namen demnach die Produktion von 10 Millionen Torpedo-Naben zur Folge!  

„Jubiläum 60 Millionen 1904-1945“

Ungereimtheiten

Hinsichtlich der wohl meisten der Jubiläums-Naben hatte F&S ebenfalls „schwarz“ gesehen. Es gibt allerdings aus dieser Zeit bis einschliesslich 1945 auch verchromte und vernickelte Jubiläumsnaben. Auch im Übrigen führte der Krieg zu gewissen „Uneinheitlichkeiten“. Neben den Jubiläums Naben fertigte F &S auch Naben ohne Sonderstempelung, die aber unterhalb des Adlers den Eintrag „K2“  (1943-1945) aufweisen . Welche Bedeutung diesem Kürzel zukommt, ist bisher unklar. Auch diese Stempelung kommt auf schwarzen und verchromten Hülsen vor.

Ebenfalls unklar ist die Bedeutung der bei beiden Stempelungen verwendeten, die unterhalb des Ölers eingeschlagen wurden. Hingegen ist die an gleicher Stelle auch bei anderen Naben häufiger anzutreffende Zahl, z.B. „3“, nur die Angabe des Durchmessers der Speichenlochbohrung in mm.

Hebel der schwarzen Naben

Die Hebel der schwarzen Naben unterscheiden sich von ihren Vorgängern grundsätzlich nur in ihrer Oberfläche – es kamen dunkelgrau bis schwarz kadmierte Hebel zum Einsatz.

Von diesem Grundsatz gibt es allerdings eine Ausnahme. Wohl 1943 wurden Hebel verbaut, die einmalig blieben. Diese Hebel sind schwarz lackiert und der Torpedoschriftzug ist eingeprägt, während er vorher und auch nachher erhaben gestaltet war. Zudem fehlt der strukturierte Hintergrund des Schriftzuges völlig.

Die Jubiläumsstempelungen lohnen, gerade als letzte Sonderstempelung der Torpedonaben überhaupt, auch inhaltlich ein genaues Hinsehen. Denn bei näherer Betrachtung ergeben sich einige kleine Ungereimtheiten. Beispielsweise verblüfft der Verweis auf 1904 als Produktionsstart der Torpedonabe. Scheinbar rechnete man die Naben des Jahres 1903 nicht mit, während nur wenige Jahre später – nämlich 1953 – bei F&S das Jubiläum „50 Jahre Torpedo“ gefeiert wurde.

Zudem irritiert, dass man noch 1949 mit der Produktionszahl von 60 Mio. Exemplaren warb, während nach der Sonderstempelung bereits 1945 60 Mio. Naben produziert worden waren.

Nachkriegszeit

Nach dem Ende des Krieges lief die Produktion der Torpedonabe – so gut es ging – wieder an. Dies geschah nicht nur in Schweinfurt, sondern auch in der Sowjetischen Besatzungszone, in Reichenbach im Vogtland. Dorthin war während des Krieges ein Teil der Produktion ausgelagert worden. Die Enteignung dieser Produktionsanlagen und die Überführung derselben in die sowjetische Aktiengesellschaft Fichtel und Sachs (!) führte alsbald zu grossen Verstimmungen zwischen den beiden Firmen. Denn abgesehen vom Verlust der Anlagen, stellte die neue AG die Torpedonabe unter dem bekannten Namen und mit fast unverändertem Aussehen weiter her und machte den Schweinfurtern so Konkurrenz mit dem eigenen Produkt.

Abgrenzung zu Reichenbach ab 1948

Bis 1949 lassen sich die Nabe aus Reichenbach an der Jahresstempelung erkennen, die im Gegensatz zur Westversion mittig unter dem Adler angeordnet ist. Die Naben aus Schweinfurt hielten am bisherigen Standort für die Jahresstempelung fest. Um jeden Zweifel über den Hersteller auszuschliessen, begann man bei F&S 1948 damit, die Nabehülsen oberhalb des Adlers mit dem Kürzel „F&S“ und dem Zusatz „Schweinfurt“ zu versehen. Ansonsten entspricht die Stempelung der Vorkriegsversion.

1950 zogen die Reichenbacher mit der Stempelung nach, indem die herkömmliche Beschriftung oberhalb des Adlers  um den Zusatz „Reichenbach“ und das Herstellerkürzel „FuS“ erweitert wurde. Die Hebel unterschieden sich bis 1949 bei der Schweinfurter Nabe nicht von den Vorkriegshebeln. Wie lange dies auch für die Reichenbacher Hebel galt, ist bisher unklar.

Die weitere Entwicklung der (un)gleichen Geschwister aus Reichenbach und Schweinfurt, deren ,,Lebenslinien“ sich – soviel sei verraten – 1990/91 wieder kreuzten, wird hoffentlich auch alsbald näher beleuchtet werden können.

Trotz des Bemühens um einen vollständigen Überblick über alle Stempelungen der Torpedonabe und ihre jeweilige Bedeutung wird der Leser erkannt haben, dass es immer noch einige „Geheimnisse“ zu enträtseln gilt, wenn denn überhaupt alle angesprochen worden sind. Dementsprechend sind ergänzende Informationen und vor allem natürlich auch Naben vom Verfasser immer gerne gesehen.


Hajo Meiborg, Köln.
Fotos: Gertraud Neumann

Dieser Artikel ist das Resultat einer langjährigen Sammelleidenschaft, des Verständnisses meiner Frau und vieler Hilfestellungen von Sammlerkollegen, Firmen, Archiven etc. Daher an dieser Stelle der besondere Dank an Jürgen Gädke, Franz-Helmut Horhäuser, Berndt Leiter und Gerhard Meier-Burkamp (beide SRAM Deutschland, vorm. F&S) und Rainer Tietz.


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